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23. April 2026

Milan Design Week 2026: Kreislaufwirtschaft erobert die Designwelt

Wenn die Milan Design Week ihre Tore für 400.000 Besucher*innen öffnet, verwandelt sich die italienische Metropole erneut in das pulsierende Zentrum der internationalen Möbel- und Designszene. Zwischen visionären Konzepten und ästhetischen Experimenten setzt in diesem Jahr auch die FH Salzburg ein starkes Zeichen: Als Designbotschafter präsentiert ihr Department Design and Green Engineering im Design Palazzo Austria zwei außergewöhnliche Projekte, die Nachhaltigkeit nicht nur lehren, sondern sichtbar und erlebbar machen.

Erster gemeinsamer Auftritt einer vielversprechenden Kooperation bei der Mailänder Design Week: (v.l.n.r): Michael Ebner (FH Salzburg), Elke Kandler (ARAplus Abfallmanagement), Manuela Fritz (ARAplus Vertrieb), Andrea Zulehner (L‘Oréal Österreich) Harald Hauke (Vorstandssprecher ARA),Hannah Pollak (ARAplus Abfallmanagement).

Innovative Kooperation mit ARA, BIPA und L’ORÉAL 

Im Fokus steht dabei ein Möbelstück, das auf den ersten Blick überrascht – und auf den zweiten eine klare Botschaft transportiert: das sogenannte Lippenstiftmöbel. Entstanden in einer gelungenen Kooperation mit Altstoff Recycling Austria AG (ARA), BIPA und L’Oréal, vereint es Funktionalität, Design und Kreislaufwirtschaft in einem aufmerksamkeitsstarken Point-of-Sale-Objekt.

Was viele kennen – übrig gebliebene Lippenstiftreste, die im Müll landen – wird hier zum Ausgangspunkt eines innovativen Materialkreislaufs. Gesammelt in BIPA-Filialen und von ARA aufbereitet, finden die Kosmetikreste ihren Weg an den Campus Kuchl. Dort werden sie mittels eines eigens entwickelten Verfahrens zur Imprägnierung und Farbgebung von Holz eingesetzt. Das Ergebnis: eine völlig neue, expressive Ästhetik, die zeigt, wie vermeintlicher Abfall zum wertvollen Rohstoff wird.

Hinter dem Projekt steht ein interdisziplinäres Team aus Holztechnologen, Entwicklungsingenieuren und Gestalter*innen. Unter der Leitung von Alexander Petutschnigg, gemeinsam mit Designer Michael Ebner und Forscherin Sybille Salbrechter, entstand ein Möbel, das Ingenieurskunst und Designkompetenz eindrucksvoll verbindet. Es steht sinnbildlich für eine Zukunft, in der Materialien konsequent im Kreislauf geführt werden und gleichzeitig einen hohen Designanspruch verfolgen. 

Das Oloid - Gekrümmte, vernähte Platten ergeben ein reversibles räumliches Tragwerk

Das vorgestellte Tragwerk namens „Oloid“ entsteht aus zweidimensional gefertigten Platten, die durch gezieltes Biegen in gekrümmte Oberflächen überführt und anschließend vernäht werden. Erst diese textile Fügung verwandelt die flachen Elemente in einen räumlichen Körper. Da die Verbindungen vollständig lösbar sind, kann das System jederzeit aufgetrennt und die Materialien sortenrein wiederverwendet werden – ein konstruktives Prinzip, das Kreislauffähigkeit und räumliche Präzision verbindet.

Design mit Leuchtkraft

Nicht minder erhellend für die Designszene präsentiert sich das zweite Ausstellungsstück im Palazzo Confalonieri: Die Oloid-Leuchten verbinden mathematische Präzision mit atmosphärischer Lichtgestaltung. Ihre komplexe, doppelt gekrümmte Form basiert ebenfalls auf der Geometrie des Oloids und wird durch textile Verbindungen zu einem räumlichen, reversiblen Tragwerk.Gemeinsam mit Organoid und 2F Leuchten entstanden, vereinen die Leuchten innovative Lichttechnik mit natürlichen Oberflächen. Auch hier steht die Kreislauffähigkeit im Zentrum: Alle Komponenten sind lösbar und können sortenrein wiederverwendet werden.

Mit dem Lippenstiftmöbel und den Oloid-Leuchten präsentiert die FH Salzburg ein Duo, das weit über ästhetische Ansprüche hinausgeht. Es zeigt, wie Design zum Treiber nachhaltiger Innovation werden kann – und setzt damit ein starkes Signal, das über Mailand hinaus in die Zukunft der Branche strahlt.

Milan Design Week 2026
MILAN Design Week vom 21. - 26. April 2026